Erich Kästner

Im Jahre 1984 erhoben unsere Schüler Erich Kästner zum Namenspatron der Schule.
Aus dem Eislinger Gymnasium wurde das EKG - das Erich Kästner Gymnasium.
Seitdem zieren ein großes Logo die Außenfassde und Kästner-Porträts unsere Eingangshalle und Erich Kästner ist Bezugspunkt bei den verschiedensten Ereignissen.

Lebenslauf

Erich Kästner wird 1899 in Dresden geboren und verlebt dort eine angespannte Kindheit.
Sie ist bestimmt von dem totalen Einsatz der Mutter für ihren Sohn. Dieser unbedingte Einsatz spiegelt komplexe Familienverhältnisse und er soll dem Sohn eine sichere Zukunft schaffen.
Die Konstellation Mutter-Sohn lässt für keinen anderen Platz, wie Kästner in seiner Jugendbiografie schreibt "Als ich ein kleiner Junge war" (1957). Seine Kindheit in Dresden ist auf Kästners Seite bestimmt von der klaren Erkenntnis des Kindes, welchen Einsatz die Mutter erbringt, dass sie dabei an die Grenze der physischen und psychischen Erschöpfung geht, und der Folgerung die Mutter nicht enttäuschen zu dürfen. Die Haltung des Kindes Erich Kästner summiert sich in dem Begriff "Musterknabe". Die Requisiten seiner kindlichen Umwelt finden sich wieder in seinen Romanen für Kinder. Das kindliche Verhältnis zu seiner Mutter setzt sich durch sein ganzes Leben fort, ein "Muttersöhnchen" in einem sehr vielschichtigen Sinne mit weitreichenden Folgen.

Die literarische Bühne betritt Kästner 1927 in Berlin. Hier etabliert er sich in den Jahren bis 1933 als Besitzer einer "kleinen Versfabrik" einerseits, als Gebrauchslyriker, wie er es verstanden wissen will, und als Kinderroman-Schreiber andererseits.
Dieser Lebens- und Schaffensabschnitt erbringt die literarische Substanz, deretwegen unser Namenspatron seinen Platz in der Literaturgeschichte erhält, der auch in den späteren Jahren an Intensität nicht übertroffen wird:

  • Seine Gedichtbände
    "Herz auf Taille" (1928)
    und "Lärm im Spiegel" (1929)
  • sein Roman "Fabian" (1931)
  • und seine Romane für Kinder
    "Emil und die Detektive" (1928)
    "Pünktchen und Anton" (1931)
    "Das fliegende Klassenzimmer" (1933) 

Mit kessen frivolen Gedichten verschreckt er die Öffentlichkeit, mit Anmerkungen und Beschreibungen klinkt er sich in die Zeitkritik ein und er nimmt klar Stellung gegen den heraufziehenden Nationalsozialismus. Die Kinderromane bringen vieles aus Kästners eigner Erlebniswelt ein, zugleich sind sie Abbilder von Kinderschicksalen, die zu seiner Zeit möglich sind.

1933 werden Kästners Bücher zusammen mit denen anderer Autoren öffentlich verbrannt,

1942 erhält er Schreibverbot.

Nach 1945 sieht sich Kästner - wie viele andere auch - genötigt seine Stellung während der NS-Zeit zu beschreiben und zu rechtfertigen und - wie viele andere auch - hebt er die Punkte hervor, die ihn mit Widerstandsflair umgeben.
Eigentlich schade ! Denn seine spätere Formulierung ist in ihrer Einfachheit glaubwürdig, wenn auch interpretierbar:

"Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich lässt die Heimat nicht fort.

Ich bin wie ein Baum, der, in Deutschland gewachsen,

wenn's sein muss, in Deutschland verdorrt."

(aus Erich Kästner, "Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen", aus "Kurz und Bündig"
abgedruckt in Luiselotte Enderle, "Erich Kästner", Rowohlt Verlag, Reinbek, 1966, S.62)

 

Nach dem Krieg lässt sich Kästner in München nieder. Er ist noch einmal erfolgreich, es kommt zu einer breiten Kästner-Rezeption. Bis zuletzt engagiert er sich im politischen Bereich in allen Tagesfragen. Die Romane für Kinder werden neu verfilmt. Abbilder einer erlebbaren Wirklichkeit werden sie aber nicht mehr, selbst wo sie im neueren Sinne aktualisiert werden. Eine Ausnahme macht "Das doppelte Lottchen", Roman für Kinder, der erst nach dem Krieg voll ausgestaltet und inszeniert wird. Aus Kästners Kinderbüchern lernt das Ausland Deutsch und sie werden in alle Sprachen übersetzt. Diese Popularitätswelle läuft spätestens in den sechziger Jahren aus. Die 68er unterziehen Kästner einer kritischen Prüfung. Sie gehen wenig glimpflich mit ihm um, urteilen wohl auch einseitig. Von Kästners "aufgeräumter Wirklichkeit" ist die Rede ( M.Bäumler). Weitere kritische Untersuchungen und Stellungnahmen folgen. Sie alle tragen zu einem differenzierteren Lebens- und Werkbild bei, sie stärken seine literargeschichtliche Position, indem sie ihn zu einem diskutablen Gebrauchslyriker und Kinderbuchautor machen, der mehr und mehr einer freundschafts- und interessenbedingten Darstellungsweise entzogen wird.

Erich Kästner stirbt am 29.Juli 1974 in München.

Text: Horst Ziedler


Kästners Grab

Sein schlichtes Grab mit eisernem Grabmal findet man auf dem kleinen Friedhof bei St. Georg in München-Bogenhausen.

Mit ihm ist seine langjährige Lebensgefährtin Luiselotte Enderle (19.1.1908 - 3.11.1991) begraben, die als Namensgeberin im Doppelten Lottchen verewigt wurde.

 

 

 

 

 


Fotonachweis:
Schullogo: Roland Schmitt
Kästner Denkmal: Mit freundlicher Genehmigung der Erich Kästner Schule, Leipzig
Kästners Grab: Klaus-Dieter Grüninger (EKG)

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