Verabschiedung

Im Sekretariat läuft alles zusammen. Die Post geht ein, Besucher melden sich zuallererst dort, Telefonate werden entgegengenommen oder wichtige Gespräche geführt. Mancher Orts ist das Sekretariat die Kommandostelle, die zentrale Anlaufstelle und die Sekretärinnen die Türsteher des Chefs. Am EKG ist es das Herz bzw. die Seele der Schule. Man könnte sich keine bessere „Visitenkarte“ wünschen. Und das hängt maßgeblich an den Menschen hinter dem Tresen, Frau Weidenbach und Frau Beck. Letztere, die „Frontfrau“, musste vergangenen Donnerstag leider in den Ruhestand verabschiedet werden.

Zu diesem Anlass hatte sich das Gymnasium etwas Besonderes einfallen lassen. Bis zur sechsten Stunde lief der ganz normale Schulbetrieb – scheinbar. Denn hinter den Kulissen liefen bereits seit Tagen die Vorbereitungen für eine Verabschiedung, an der sich alle am Schulleben beteiligten Personen einbringen wollten. Und dies sollte Frau Beck pünktlich um 12 Uhr auch deutlich werden. Von den Schülersprechern begleitet verließ sie das Sekretariat und wurde durch ein Spalier – gebildet von allen Klassen des EKGs – bis in die Sporthalle geleitet, wobei alle eifrig ihre Taschentücher schwenkten. Bereits hier flossen die ersten Tränen.

Versammlung in der Turnhalle

In der Öschhalle versammelten sich dann alle 700 Schüler und feierten Frau Beck mit viel Applaus, einem auf ihre Person umgedichteten Lied, einem Geschenk und vor allem mit einem von Herrn Pfäffle, Frau Nagel und der SMV produzierten Film. In etwa fünf Minuten kamen dabei alle Klassen zu Wort und gaben Frau Beck zum Teil auf sehr kreative Art und Weise die besten Wünsche und Grüße mit in den Ruhestand.

Damit sollte der Verabschiedungsreigen aber nicht beendet sein. Denn sowohl die Schulleitung mit dem Kollegium, als auch die Stadt wollten Frau Beck noch ihre tiefe Dankbarkeit ausdrücken. Zurück im Lehrerzimmer fand zunächst der Schulleiter Michael von Hagen die richtigen Worte: „Ich habe mich nie, wirklich nie über Sie oder Ihre Arbeit aufregen müssen.“ Das Miteinander sei von großem Respekt und Wertschätzung geprägt gewesen. „Man hat sich gemocht!“

Herr Weiler als Vertreter der Stadt Eislingen erinnerte sich in seinen Dankesworten an das mit Frau Beck geführte Bewerbungsgespräch, in dem sie auf ihr Alter als möglichen Hinderungsgrund für ihre Einstellung hingewiesen habe. Keine Rede davon – ihre sympathische und dynamische Art habe bereits damals deutlich gemacht, wie geeignet sie für diesen Posten gewesen sei.

Herr Greuter als Vertreter der städtischen Beschäftigten Eislingens verglich die Schule mit einem menschlichen Körper, in dem das Sekretariat das zentrale Organ sei. Hier schlage der Puls des EKGs und Frau Beck habe es maßgeblich mit Leben gefüllt.

Herr Weiler von der Stadt Eislingen

Anschließend ließen es sich auch die 60 Lehrerinnen und Lehrer nicht nehmen, eine Lied auf Frau Beck zum Besten zu geben, bevor Frau Rommel als ÖPR-Vorsitzende bei aller angebrachten Traurigkeit alle zum Lachen bringen konnte, indem sie eine Anekdote über Frau Beck erzählte. Sie habe nämlich einmal in ihrer „Sucht nach Lakritze“ aus Versehen auf ihren schwarzen Eddingdeckel gebissen, weswegen man ihr jetzt, zu ihrer Sicherheit, Lakritze in einem sicher verschlossenen Einweckglas schenke.
Am meisten wird jedoch wohl Frau Becks kongeniale Partnerin Frau Weidenbach die Veränderung im Sekretariat bemerken. Tagtäglich hatten sie stundenlang eng miteinander zu tun – und vor allem zu lachen. „Es sind vor allem die Lachsalven, die ich sehr vermissen werde“, so Frau Weidenbach. Um nicht in Vergessenheit zu geraten, überreichte sie Frau Beck als Erinnerungsstück eine besondere Keksdose.
Frau Beck kommentierte ihren „großen Bahnhof“ gerührt mit den Worten: „Ihr seid doch verrückt.“ Und etwas leiser in ihrer ihr so eigenen Bescheidenheit: „Es ist doch ganz gut, dass jetzt ein Generationenwechsel kommt und ein neuer Wind weht. Die Arbeit werde ich nicht so sehr vermissen, aber euch liebe Menschen schon.“

Natürlich saß man am Ende noch gemütlich zusammen und fand ein paar persönliche Worte mit einer herzlichen Umarmung. Es tut weh, Frau Beck gehen lassen zu müssen, denn sie hat sich seit ihrer Einstellung am 1.4.2003 „aufgrund ihrer einfühlsamen, humorigen, souveränen und äußerst kompetenten Art einen extrem hohen Anerkennungsgrad bei allen am Schulleben Beteiligten erworben“, wie es in einer Stellungnahme der Schulleitung heißt. Und weiter: „Alle wünschen ihr einen erfüllten und vor allem gesunden Ruhestand.
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Den trat sie dann auch an, schwer beladen mit all den Geschenken. Das EKG ist nun an Herzlichkeit ein großes Stückchen ärmer.
S. Weber    

Fotos: R. Schmitt

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