Letzter Schultag vor den Ferien

Stellen Sie sich vor, es gehen auf einen Schlag der Kapitän, sein Stellvertreter und der Steuermann von Bord. Stellen Sie sich vor, alle drei wären kompetente, angesehene und beliebte Männer ihres Fachs, die über Jahre hinweg den Kurs des Schiffes und damit die Richtung vorgegeben, auch in stürmischen Zeiten ruhige Gewässer gefunden sowie den richtigen Hafen angesteuert hätten. Genau dies war nun der Fall am Erich Kästner Gymnasium in Eislingen. Die EKG-Mannschaft muss nun ohne ihren Rektor Michael von Hagen, ohne ihren Vize Hartmut Gilg und den Abteilungsleiter Dieter Läßle auskommen. Alle drei wurden am vergangenen Mittwoch in der Mensa des Schulzentrums Nord in den Ruhestand verabschiedet.
Schon am Vormittag deutete sich ein großer Verabschiedungsreigen an. Herr von Hagen durfte in seinem Zimmer auf einem Thron Platz nehmen und sich ein bereitgestelltes Sektfrühstück gönnen. Danach musste er sein Büro verlassen, um kurz darauf zusammen mit seinem Stellvertreter Herrn Gilg in zwei offenen Cabrios durch ein Spalier von über 700 Fahnen schwenkenden Schülerinnen und Schülern die Leibnizstraße hinunter zum Gymnasium zurückzukehren. Dabei feierten alle ihre Schulleitung fast wie einen Papst im Papamobil.

Danach geleiteten Fünftklässler beide auf die Dachterrasse des Lehrerzimmers, wobei Justin Timberlakes „Can`t stop the feeling“ aus den Lautsprechern ertönte. Den Grund dafür erfuhren Herr von Hagen und Herr Gilg wenige Minuten später. Die Schülerschaft und große Teile des Kollegiums veranstalteten auf dem Schulhof einen Flashmob, um sich dieses Mal Hände winkender Weise von ihnen zu verabschieden.

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Doch damit nicht genug: Die Schülersprecher Emanuel Heinzmann und Melissa Thamer bedankten sich für die reibungslose, vertrauensvolle und wertschätzende Zusammenarbeit mit der Schulleitung. Alle auf dem Pausenhof Versammelten sangen zur Melodie von „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ einen umgedichteten Text und ließen über 200 Luftballons mit den besten Wünschen in den Himmel steigen.

Danach zog das Kollegium mit Elternvertretern, Sekretärinnen und Frau Schäfer vom Kulturamt der Stadt Eislingen in die Mensa um. Hinzu gesellten sich ehemalige Kolleginnen und Kollegen.
Zunächst verabschiedete Herr von Hagen in seiner letzten offiziellen Handlung gemeinsam mit dem Personalrat um die Vorsitzende Eva Janke weitere Kolleginnen und Kollegen: Die Referendare Kristina Harder, Christiane Meyer und Fabian Grupp (wobei Letzterer dem EKG nach den Sommerferien erhalten bleibt), Katrin Rippert, Uta Oellig, Karin Lindner, Carla Schröder, Sandra Ehses und Constanze Schöttle.

Danach war Dieter Läßle dran. Alle Redner waren sich einig. Sein Weggang reißt eine Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird. Schließlich war es Dieter Läßle, der das Musikprofil für das Schuljahr 2008/09 ans EKG holte und den Ganztagesbetrieb an der Schule installierte. Die Fußstapfen sind groß, sie auszufüllen fast unmöglich. Doch die Musikfachschaft um ihren Sprecher Martin Gradner betonte, in Dieter Läßles Namen alles nach bestem Wissen und Gewissen weiterführen zu wollen. Dabei soll nicht die Theorie, sondern immer die praktische Anwendung von Musik im Vordergrund stehen, also das Musizieren und das Vorspiel. Getreu diesem Motto durften nun alle ein Medley aus den beliebtesten Songs von Schülerinnen und Schülern zum Besten geben. So erklangen in der Mensa unter anderem Lieder wie „Love me tender“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“.

Nun folgte Hartmut Gilg. Herr von Hagen betonte in seiner Rede die harmonische und konstruktive Zusammenarbeit mit seinem „Vize“: „Du warst nie ein Fan von großen Worten oder langen Reden, du hast dich gerne im Hintergrund gehalten. Wenn ich aber mal Rat brauchte, erwies es sich, dass du sehr gut beobachten und analysieren konntest. Du hast dich an viele wichtige Details erinnern, was mir stets weiterhalf, mehr als vielleicht manch lange Rede.“ Eva Janke gestand, dass sie sich nicht immer freute, Herrn Gilg zu sehen, da sein Auftauchen doch zumeist bedeutete, Mehrarbeit leisten zu müssen - wofür er selbst natürlich nichts konnte und dies deswegen nicht persönlich zu verstehen sei. Stunden- und Vertretungspläne zu machen, sei nicht immer ein dankbarer Job. Doch Herr Gilg habe immer das maximal Gute aus den Stundentafeln herausgeholt, was er aber in seiner Bescheidenheit nie an die große Glocke hing, so die ehemalige ÖPR-Vorsitzende Marlies Rommel. Mit großem und lang anhaltendem Applaus bedankten sich alle bei Herrn Gilg.

Da Herr von Hagen schon am Montag offiziell verabschiedet wurde, folgte nun die „intimere“, soll heißen, die „interne“ Feier. Zunächst mussten er und sein Vize ein Quiz der Fachschaft Mathematik bestehen, in dem ihnen Bilder der Schule gezeigt wurden und sie die Fehler bzw. die Orte benennen mussten. Beide bekamen jeweils ein von allen Kolleginnen und Kollegen sowie ein von den Klassen gestaltetes Buch. Außerdem verabschiedeten sich alle Fachschaften und alle Klassen mit einem von Alexander Pfäffle und Meike Nagel produzierten Video. Alle, der ÖPR, die Abteilungsleiterinnen Christine Dilger und Margret Krickl, sowie die Sekretärinnen sagten traurig „Auf Wiedersehen“ für einen tollen Chef, der nun nicht mehr „gemobbt und diskriminiert werden muss, weil er halt ein Mann ist“, wie Rose Weidenbach mit einem Augenzwinkern bemerkte.          

Man sieht, es geht nicht nur eine kompetente, angesehene und beliebte Führungsriege in den Ruhestand, sondern auch eine äußerst gesellige und humorige. Es „menschelt“ am EKG – und das ist gut so!                Stefan Weber

Fotos: S.Renner, R.Schmitt

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