"A spoonful of sugar helps the medicine go down" oder " non acerba est medicina"

Am Freitag, den 11.11.16 durften die Schülerinnen und Schüler des vierstündigen Lateinkurses mit Frau Dilger in Stuttgart  Uniluft schnuppern. Der "württembergische Verein zur Förderung der humanistischen BIldung" veranstaltete wie jedes Jahr einen Vortrag, der das aktuelle Abiturthema "Senecas philosophische Schriften"  behandelte.
Interessant und  anschaulich legte Herr Prof. Dr. Thomas Baier, Lehrstuhlinhaber der Julius Maximilians Universität Würzburg,  dar, warum lustige Anekdoten aus dem Schulalltag  oder persönliche Begebenheiten leichter im Gedächtnis bleiben als der Lernstoff, um den es in der Schule eigentlich gehen sollte. Das hänge - wie die moderne Hirnforschung herausgefunden hat - mit der Aktivierung  bestimmter - auch emotionaler - Hirnareale zusammen. Das Faktum als solches war schon dem antiken Philosophen und Didakten Seneca dem Jüngeren geläufig und er hat mit den Mitteln der Rhetorik und der Didaktik seine Schlüsse daraus gezogen:  Der Unterrichtsstoff bleibt nur dann wirkungsvoll  im Gedächtnis haften, wenn er ans Herz geht, wie er in seinen epistulae morales  98,13 schreibt. Der Philosophielehrer soll seine Lehren nicht "trocken" erzählen, sondern die Erzählung  durch Beispiele (exempla) anschaulicher machen.  "Verba docent, exempla trahunt" , denn nur durch sinngerichtete Beispiele kann der Leser gefesselt werden. Er kann nachempfinden, was das Gesagte eigentlich mit ihm zu tun hat (mea res agitur) und ist dadurch bereit, den Stoff  ins Gedächtnis zu übernehmen. Verstärkend kommt dabei hinzu, dass der Lehrer authentisch auftreten soll, d.h. sein Herz und sein Verstand sollen das Gleiche ausdrücken, da der Schüler sehr rasch merkt, ob der Lehrer hinter dem Gesagten steht oder nicht.
Alles in allem soll der Lehrerphilosoph oder der Philosophielehrer durch seine Worte einerseits einen Anstoß (impetum
[philosophus] dabit) zum Denken geben, d.h. das Interesse wecken, andererseits aber durch seine Beispiele Freude am Lernen bewirken, denn Lernen soll - damit es effektiv wird - Freude machen. ([Philosophus] gaudium adferet.)
Die Freude am Lernen versüßt den "bitteren" Stoff und lässt ihn so  leichter schlucken, wie schon Mary Poppins in ihrem Lied "a spoonful of sugar helps the medicine go down" bemerkte.

C. Dilger

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