Corinna - Szenen aus dem Leben von Ovids elegischer Geliebter

Am Mittwoch den 1.2.2017 gingen 8 SchülerInnen des vierstündigen Lateinkurses,
diesmal ohne Frau Dilger, nach Waiblingen ins Staufergymnasium zu einem Vortrag über Corinna, Ovids elegischer Geliebter, in dessen Werk " Amores". Sternchenthema der Interpretation im Lateinabitur ist dieses Jahr: Ovid: "Amores"  und die 21 "Epistulae Heroidum ". Veranstaltet wurde der Vortrag erneut  von dem „Württembergischen Verein zur Förderung der humanistischen Bildung e.V.“, der auch den ersten Vortrag über Lehrphilosophie an der Uni Stuttgart, den wir im November besuchten, ausgerichtet hatte.
In seinem etwas über einstündigen Vortrag ging Herr Prof. Dr. Ulrich Schmitzer, Professor an der Uni Berlin, auf die Frage ein, wer Corinna war, ob es sie wirklich gab, oder ob sie Ovids Fantasie entsprungen war.
Dazu ging er zunächst auf das Leben von Ovid ein. Dieser  wurde 43 v. Chr. in Sulmona in der Nähe von Rom geboren. Er strebte nicht wie ein vir vere Romanus eine Ämterkarriere an, sondern beschäftigte sich mit den ,,unwichtigen‘‘ Dingen des Lebens und drang als Dichter an die Öffentlichkeit. Aufgrund seines Ehe- und Frauenbildes, welche gegensätzlich zu dem des derzeitigen Herrschers  Augustus waren und aufgrund Erfahrungen über Machenschaften von Verwandten des Kaisers, die gegen dessen Dynastiepolitik im Gange waren, wurde er ins Exil geschickt.
Seine „Amores“, die in die Gattung der Liebeselegien fallen, handeln vorrangig von einer aufreizenden Dame namens Corinna, in die der ,,Amator‘‘ unsterblich verliebt war. Der Amator wirbt klagend in einer Dreiecksbeziehung mit dem ,,Rivalen‘‘ um die Gunst der ,,Puella‘‘. In den Amores spielte Ovid mit Wahrheit, Illusion, Fiktion und Liebe. Es lässt sich vermuten, so Professor Schmitzer, dass es sich bei Corinna um Augustus' Enkelin handelt, die nicht zufällig zur selben Zeit wie Ovid verbannt wurde. Erwiesen ist  dies aber keineswegs.

Vielmehr passt das Bild der Corinna in die Gattung der römischen Liebeselegie, einer Gattung deren Mitbegründer Ovid war. Die Gattung der Liebeselegie weist genaue Merkmale auf, die Ovid penibel einhält. So treffen Motive wie „paupertas“, „servitium amoris“ und „foedus aeternum“ zu exakt auf Corinna und das elegische Ich zu, als dass das Verhältnis und damit auch die Person Corinnas real gewesen sein könnte, meinte Professor Schmitzer. Auch die standardisierte Dreiecksbeziehung zwischen den liebenden Parteien spricht dafür, dass ,,Amator‘‘ und Ovid nicht eins sind. Somit war Corinna ein Teil seines elegischen Systems, obwohl sie nahezu lebendig erschien. Auf der anderen Seite schreibt Ovid hier nicht über heroische Fernbeziehungen wie in den Heroides sondern über die Verhältnisse im Kleinen, alltäglichen, realistischen Maßstabs. Er beschreibt Corinna als Lebedame (Vergleich mit Semiramis und Lais), und als eitle Person (Corinna hat einen kahlen Kopf, weil sie graue Haare mit scharfen Mitteln färben wollte und trägt daher eine Perücke aus blondem Germanenhaar (vgl. Amores I,14)). Außerdem wird sie daher nicht arm gewesen sein (Germanenhaar war Importware und daher teuer).Sie setzte auf ihre Reize, um Männer anzulocken, die für sie sorgten. Aus diesem Grund trieb sie einmal sogar ab – ein in der Antike lebensbedrohliches Unterfangen.Sie konnte es sich nicht leisten, schwanger und damit weniger attraktiv zu sein.Abschließend kam Herr Ulrich Schmitzer zu dem Schluss, dass Corinna höchstwahrscheinlich keine reelle Person war, sondern Ovid vielmehr eine überaus gigantische Kenntnis der Situation eines verliebten Paares und der weiblichen Psyche gehabt haben musste , so realistisch, dass sich schon die Römer in der Antike fragten, wer Corinna wohl war, eine Frage die bis heute ungeklärt ist und es wohl auch immer bleiben wird.

D. Bohnenberger, A. Döffinger

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