Diskussion mit Vertretern der Parteien

„Warum sollte ich ausgerechnet Ihre Partei wählen?“ Julius Schmid stellte die entscheidende Frage. „Ich werde im September 18 Jahre alt sein und kann dann zum ersten Mal bei der Bundestagswahl meine Stimmen vergeben. Überzeugen Sie mich davon, dass ich bei Ihrer Partei mein Kreuz mache.“
Genau zu diesem Zweck hatte Eva Janke, Gemeinschaftskundelehrerin und Fachschaftsvorsitzende, alle Abiturienten der Schule und drei Parteienvertreter am vergangenen Donnerstag ans Erich Kästner Gymnasium eingeladen. Außer den zahlreich erschienenen Erstwählern vertraten Heike Baehrens als Bundestagsmitglied die SPD, Simon Weißenfels als Kreisgeschäftsführer die CDU und Dietrich Burchard als Bundestagskandidat die Grünen. Etwa eineinhalb Stunden konnten die Jugendlichen die drei Politiker auf Herz und Nieren prüfen.

Schulleiter Stefan Arnold begrüßte zunächst alle Anwesenden und verlieh seiner Freude über diese Veranstaltung Ausdruck: „Es ist wichtig für unsere Gesellschaft, sich für Politik zu interessieren und zu engagieren. Davon lebt unser Land. Es ist immer leicht, sich zu beklagen. Wer aber aktiv mitgestalten möchte, wird merken, wie schwer und gleichzeitig wie befriedigend es ist, etwas zu verändern.“
Danach bat Eva Janke die Gäste, sich kurz mit ihrem Werdegang vorzustellen, und führte anschließend durch die Fragerunde, die sie nach übergeordneten Themen strukturierte und indem sie die jeweiligen Wortmeldungen aufnahm.

Man fing mit dem gerade alles beherrschende Thema an: Der Beziehung zur Türkei. Keinen Zweifel ließen die Politiker daran, dass sie die „Nazischelte“ Erdogans für völlig unangebracht und überzogen hielten, von Einreiseverboten, wie sie zuletzt von den Niederlanden ausgesprochen wurden, aber nichts wissen wollten. Herr Burchard appellierte dazu, sich auf die eigenen demokratischen Werte zu konzentrieren und sich nicht provozieren zu lassen. Frau Baehrens relativierte die Brisanz, die Wahlkampfauftritte von türkischen Ministern in Deutschland für den Ausgang des Verfassungsreferendums hätten. „In Deutschland leben etwa 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken. Da man sich für die Wahl in der Türkei registrieren lassen muss und von diesen dann, orientiert man sich an der letzten Wahl, etwa 60% für Erdogan votieren werden, reden wir von etwa 300.000 Stimmen für die Verfassungsänderung. Das wird vermutlich keine entscheidende Auswirkung auf den Ausgang haben.“ Und Simon Weißenfels empfahl: „Am empfindlichsten trifft man die Türkei in Bezug auf den Tourismus. Ich finde schon, dass jeder sich darüber Gedanken machen sollte, ob man den nächsten Urlaub wirklich in der Türkei verbringen muss.“
Nach diesem Themenkomplex, der vielleicht etwas zu viel Raum einnahm – aber er brennt ja auch unter den Nägeln - hatte man nicht mehr allzu viel Zeit für alle bzw. für die weiteren Themen. Die Abiturienten erwiesen sich als interessierte und informierte Bürger, indem sie nach der Bildungspolitik und der Rücknahme von G 8, nach dem richtigen Umgang mit der AfD oder nach möglichen Strategien im Umgang mit „Fake News“ fragten. Kaum waren die „Social Media“ angesprochen, bat Frau Baehrens um ein Foto für ihre Facebookseite. Und Simon Weißenfels mahnte einen bewussteren und innovativeren Einsatz von Chats, Blocks und Internetauftritten an. „Man darf das Feld nicht den Rechtspopulisten überlassen. Die AfD hat die meisten Likes bei Facebook, dagegen müssen wir etwas unternehmen.“ 
Am Ende hieß es also wieder: Warum sollten Neuwähler ausgerechnet die CDU, die SPD oder die Grünen wählen? Simon Weißenfels warb für eine Kontinuität und für Besonnenheit unter einer Bundeskanzlerin Angela Merkel, Heike Baehrens verwies auf das zentrale Thema der sozialen Gerechtigkeit unter einem erfrischend authentisch auftretenden Martin Schulz und Dietrich Burchard auf das grüne Kernthema des Umweltschutzes.

Ob das Julius Schmid am Ende gereicht hat, um eine Entscheidung in Bezug auf seine Stimmvergabe gefällt zu haben? Noch sind ja sechs Monate Zeit. Und da einer der Wahlrechtsgrundsätze vorsieht, dass es sich um eine geheime Wahl handelt, wird man es wohl nie erfahren, wer den Vorzug bekommen hat.

Stefan Weber   

Fotos: R. Schmitt

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