Alle zwei Jahre wieder - die Schulkunstausstellung

Die seit 2015 nur noch in einem zweijährigen Rhythmus stattfindende Schulkunstausstellung wurde für die Schulamtsregion Göppingen am Donnerstag, dem 11.05.2017, im Landratsamt Göppingen um 19.00 Uhr eröffnet.

Man zählte dieses Jahr nur 11 teilnehmende Schulen, die sich aber mit eindrücklichen, aussagekräftigen Arbeiten ihrer Schüler/innen an diesem Forum beteiligten. Die Zurückhaltung manch anderer Schulen könnte mit dem Thema, aber auch mit den Rahmenbedingungen des Faches Bildende Kunst zu tun haben. Trotz Kürzungen und kleiner Fachschaften sind BK-Lehrkräfte oft im Hintergrund bei Festen, Aufführungen, Umzügen und Ausstellungen außerhalb ihres Deputats für ihre Schulen engagiert tätig. Der Faktor Zeit wird für sie dann zu einem entscheidenden. Darauf, aber auch auf die Möglichkeiten dieses besonderen Faches gingen die Redner und Rednerinnen im Rahmen der Vernissage ein, etwa der Amtsleiter des Landratsamts Göppingen Andrea Borgia. Er bedankte sich im Rahmen seiner Begrüßung bei allen an der Ausstellung Beteiligten – bei den jungen Kunstschaffenden, den Lehrkräften und dem seit Jahren sehr aktiven und engagierten Schulkunstteam, zu dem Roland Schmitt, Erika Eder, Thomas Wollny und Wolff Foermer gehören, und dem es auch in diesem Jahr gelungen sei, aus der Vielzahl an Einsendungen der 11 Schulen eine stimmige Ausstellung zusammenzustellen: Sein Fazit fasste er in einem Zitat Picassos zusammen, das Geheimnis der Kunst liege nicht darin, etwas zu suchen, sondern etwas zu finden! Dies sei den Schülern/innen unter Anleitung der Lehrkräfte sehr gut gelungen.

Martin Blum, Leiter des Zentrums für Kunst und intermediales Gestalten beim zuständigen Landesinstitut, wies auf die knapper werdenden Ressourcen im Bereich Kunst hin, ging kurz auf die 30 Jahre währende Erfolgsgeschichte der Schulkunstausstellungen in Baden-Württemberg, ihre Struktur und Funktion ein und darauf, dass Kunst wie kein anderes Fach für die Entwicklung junger Menschen hin zu einem „kritisch handelnden und reflektierenden Ich“ einen wesentlichen Beitrag leiste. Die Arbeiten der Schüler seien eben auch „Zeugnisse von ästhetischen und persönlichkeitsbildenden Prozessen“. Er wies auch darauf hin, dass die große Landesausstellung Schulkunst direkt nach den Sommerferien 2018 im Haus der Wirtschaft in Stuttgart stattfinden werde. Elke Weccard, stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamtes Göppingen, betonte den wieder erstarkten Stellenwert des Faches Kunst in der Sekundarstufe Eins und damit einhergehend die Grundtugenden dieses Fachs, das Kreativität, Welterleben, und -deuten ermögliche und fördere. Die Schülerinnen würden sich, die Welt und die Welt der Bilder im selbsttätigen Arbeiten erkennen. Die Schulkunstausstellung sei eine wichtige Plattform für Schulen, die auch den Mut zur Präsentation erfordere, auch hier komme den Lehrkräften eine wichtige Aufgabe zu.

Herr Blum vom ZKIS
Frau Weccard vom Schulamt Göppingen

Roland Schmitt, langjähriges Mitglied der Schulkunst-Kommission und Kunsterzieher am Erich Kästner Gymnasium Eislingen führte wie auch schon 2015 gewandt und anschaulich direkt in die Ausstellung ein. Ins Zentrum seines Vortrages setzte er die Überschrift und das Material des Plakats. An ihm wurden anschaulich Aspekte seiner Rede auch in Form von Kurz-Performances, in deren Verlauf er sich selbst zum Poster-Objekt werden ließ, ganzheitlich festgemacht. Zunächst ging er auf einen möglichen inneren Zusammenhang der drei Begriffe Bild - Material – Objekt ein und führte weiter aus: Bild und Objekt verwiesen auf etwas Gefertigtes, während Material schlicht ein Werkstoff sei. Für die Entwicklung vom Bild hin zum Objekt, sei die Erfindung der Fotografie maßgeblich gewesen, die die Künstler herausgefordert hätte: Erscheinungen, Gemütszustände, Abstraktionen seien in der Folge Bild geworden. Das Bild an sich sei plötzlich nicht mehr das Fenster zur Welt, der Künstler nicht mehr der Augenzeuge gewesen, vielmehr habe der Vorgang des Sehens an Bedeutung gewonnen und der Gehalt des Gemalten sich in die Vorstellung des Betrachters verlagert. Zu Beginn des 20. Jhdts sei so auch eine neue Auffassung zur Herstellung von Kunstwerken entstanden: alles galt als verwendbar. Einen dreidimensionalen Kunstgegenstand als Objekt zu bezeichnen, sei erstmals mit Marcel Duchamps Beitrag zur einer Ausstellung im New Yorker Grand Central Palace 1917 zu belegen. Dies führte konsequenterweise dazu, vieles zur Kunst erklären zu können. Nicht nur die materialgerechte Behandlung beschäftigte von nun an die Künstler, sondern auch deren Überwindung durch Experimente, viele dieser Aspekte fänden sich auch im Bildungsplan wieder, dort stünde u.a.: „Die Schülerinnen und Schüler erproben verschiedene Materialien und Techniken und nutzen diese zur plastischen Gestaltung, sie können elementare plastische Materialien (z.B. Ton, Pappmaché, Holz, Draht) und Fundstücke erproben und untersuchen...“ Mit dieser Verknüpfung schloss Roland Schmitt seinen anschaulichen Vortrag.

Kunsterzieher R. Schmitt
Teller mit Essen Kl. 5 EKG

Die Freude an den gelungenen Arbeiten war allen Besuchern anzusehen. Die Big-Band der Schurwaldschule Rechberghausen spielte bekannte Songs in feinen Arrangements, etwa „And I Love Her“ von den Beatles. Dies trug ebenso zum stimmungsvollen Rahmen bei wie die Performance der Schülerinnen und Schüler der Bodelschwingh-Schule aus Göppingen. Unter ihren Händen und Tanzeinlagen formten sich zum Song „Somebody That I Use To Know“ von Gotje große bunte Pappflächen zu einem eindrucksvollen Haus der Kunst, das sich am Ende der Performance als Raum-in-Raum-Objekt für kurze Zeit im Foyer des Landratsamtes ausbildete.

Bodelschwinghschule Göppingen
Objekte S1 EKG
Torten Kl. 7 EKG
T-Shirts
Fotos: S.Renner, R.Schmitt

Und was konnte beim Anblick der vielen bunten, ausdrucksvollen, oft auch inhaltlich  aufgeladenen Arbeiten mit in den regnerischen Abend gekommen werden. Sicherlich, dass es eine Kunst bleibt, Kunst an der Schule zu machen und zu unterrichten und dass dabei sehr persönliche und aussagekräftige Arbeiten unter den Händen der Kinder und Jugendlichen mit Herz und Verstand in nicht allzu platter und glatter Ästhetik entstehen, die an vielen Stellen eben auch zum Ausdruck bringen, wie diese fühlen, empfinden, die Welt deuten, verstehen und wahrnehmen und die mit hoher intrinsischer Motivation entstanden sind – die Schulkunstausstellung bleibt damit das Forum, das den Blick auf Schülerarbeiten ermöglicht, schärft und die Arbeit der Schüler/innen würdigt.

Stefan Renner

Teilnehmende Schulen aus Göppingen: die Pestalozzi-, Wilhelm-Busch-, Uhlandschule, Bodelschwingh- und Schiller-Schule sowie das Hohenstaufen- und Mörike-Gymnasium, hinzu kamen die Staufeneck Gemeinschaftsschule aus Salach, die Schurwaldschule aus Rechberghausen und aus Eislingen die Silcherschule sowie das Erich Kästner Gymnasium.

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