Helikoptereltern fahren auch bloß Auto

Der Vater macht es, die Mutter auch. Mit den besten Absichten. Nämlich möglichst alles für ihr Kind zu tun. Was zunächst gut klingt, entpuppt sich in der Praxis als weniger sinnvoll. Eltern sollten nicht alles für ihr Kind tun, sonst macht die Tochter oder der Sohn am Ende gar nichts mehr und lernt nicht, mit Frustration, also Misserfolg, umzugehen. „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Es ist dieser reformpädagogische Ansatz Maria Montessoris, den Dipl.-Päd. Detlef Träbert den über 100 Eltern in der Mensa des Schulzentrums in Eislinger am vergangenen Donnerstag näher zu bringen versuchte.

Auf gemeinsame Einladung von StD` Christine Dilger vom Erich Kästner Gymnasium und Konrektorin Manuela Perry von der Schillerschule referierte Detlef Träbert in einem gut einstündigen Vortrag über die bestmögliche Förderung von Kindern.

Dabei machte er deutlich, dass es vor allem die Frustrationstoleranz ist, auf die es dabei ankommt. Wenn ein Kind frühzeitig merke, Probleme durch eigenes Tun zu meistern, fördere dies Fleiß und Disziplin. Wenn ein Kind beim Krabbeln Hindernisse wie etwa schiefe Holzflächen in den Weg gelegt bekomme und es lerne, damit umzugehen, entwickele es schon frühzeitig die Fähigkeit, Enttäuschungen zu verarbeiten oder Bedürfnisse aufzuschieben, ohne in Aggression oder Depression zu verfallen.

Mehr noch, diese Kinder entwickeln während ihres Lebens einen höheren Lernerfolg und meistern so leichter etwa berufliche Probleme. Dies hätte auch der berühmte „Marshmallow-Test“ ergeben. Dabei ist 6-8jährigen Kindern ein Marshmallow mit dem Hinweis vorgesetzt worden, wenn sie ihn nicht in den folgenden 15 Minuten essen würden, bekämen sie einen zweiten. Im Grunde sollten sich die Heranwachsenden zusammenreißen und abwarten, dann würden sie mit der Verdoppelung des Einsatzes belohnt. Nicht jedem Kind gelang dies, doch die „Zähen“ erwiesen sich in einer Langzeitstudie als die im Leben Erfolgreicheren.

Diese Frustrationstoleranz gilt es auch im Jugendalter zu stärken, etwa durch Gedulds-, Gesellschafts- oder Geschicklichkeitsspiele, begrenzte Mediennutzung, Anstreben von langfristigen Zielen (eigenes Sparen auf ein Fahrrad) oder Mitsprachemöglichkeiten (zum Beispiel in der Ferienplanung). So werden Ausdauer, Regeleinhaltung, Prioritätensetzung und der Umgang mit Niederlagen erlernt. Kinder entwickeln so ein realistisches Selbstkonzept, eine wichtige Basis für Anstrengungsbereitschaft.

Die Wissenschaft hätte erwiesen, dass der „autoritative Erziehungsstil“ der erfolgreichste sei. Kinder mit viel Liebe, Zuwendung und klaren Regeln ohne jegliche Form von seelischer und körperlicher Gewalt zu erziehen, erbringe besonders zufriedene, schulisch gute und sozial akzeptierte sogenannte „Glückskinder“.          

Immer wieder würzte Detlef Träbert seinen Vortrag mit einer Portion Witz und Humor, sodass der Abend sehr kurzweilig wurde. Nicht alle dargebrachten Tipps waren neu, aber sie zu vergegenwärtigen oder sein Tun bestätigt zu sehen, machte auch zufrieden. Schade, dass Detlef Träbert zu wenige konkrete Beispiele aus seinem sicher reichhaltig vorhandenen Fundus als Schulberater gab, das hätte zusätzlich bereichert.
S. Weber

Copyright ©2014 Erich Kästner Gymnasium Eislingen - ekg-eislingen.de. Alle Rechte vorbehalten. Website made by kaelberer-online.de